Umwelt-, Ressourcen- und Ökologische Ökonomik

Hiwi Stelle bei Future Ocean zu vergeben

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5th Workshop on Age-structured models in Natural Resource Economics

Call for abstracts

Age-structured models in Natural Resource Economics

 

Date: 17-19 May 2017

Place: Genueser Schiff, Lütjenburg, close to Kiel, Germany

Organizers: Martin Quaas, Kiel University | Anders Skonhoft, NTNU | Olli Tahvonen, University of Helsinki | Niels Vestergaard, University of Southern Denmark

We invite presentations for the fifth workshop on age-structured models in natural resource economics. Both theoretical and empirical studies are welcome that integrate state-of-the-art ecological models and economics in fisheries, forestry and related fields. Examples of interesting questions include age- and size structured models, models with spatial structure, economic models with biological evolution and questions related to numerical computation of complex optimization models. There is no workshop fee, but also no support for travel and accommodation costs.

Please submit an abstract (1 page) to Martin Quaas (quaas@economics.uni-kiel.de) by March 15, 2017. Notifications of paper acceptance: March 18, 2017. Registration deadline: March 22, 2017.

Expertinnen und Experten empfehlen deutlich mehr Klimaschutz

07.12.2016

Unsere Generation sollte deutlich mehr in die Zukunft investieren, als das in der globalen Klimapolitik aktuell der Fall ist. Das hat eine Umfrage eines Forschungsteams der London School of Economics und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unter fast 200 der weltweit führenden Ökonominnen und Ökonomen ergeben. Konkret empfehlen die Fachleute: Um einen Ertrag von 1000 Euro in 100 Jahren zu erzielen, zum Beispiel in Form vermiedener Klimaschäden, sollten wir heute 140 Euro investieren. Dieses klare Signal für höhere Zukunftsinvestitionen unterstützt die jüngsten Beschlüsse des G7-Gipfels und ist eine wichtige Entscheidungshilfe für die Regierungen, die auf der UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris über die globalen Klimaschutzanstrengungen verhandeln werden.


Um bessere Empfehlungen nicht zuletzt für die globale Klimapolitik geben zu können, befragte das Forschungsteam um Moritz Drupp von der Universität Kiel 197 Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der langfristigen Kosten-Nutzen-Analyse. Die Arbeit ging der Frage nach, wie viel uns die Zukunft wert sein sollte. Sie liefert sowohl eine repräsentative Schätzung des Gegenwartswertes von zukünftigen Erträgen als auch Aufschlüsse über das Ausmaß und die Hintergründe der vorausgehenden Kontroverse.

Nähere Informationen gibt es in der Pressemeldung der Universität. Die Studie ist zugänglich auf den Seiten des LSE Grantham Institutes on Climate Change and the Environment.

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Fischereistudie

CAU     Ergebnisse der Kieler Fischereistudie    ifw

 

Sehr geehrte Fischer und interessierte Leserinnen und Leser,    

Sie haben vielleicht schon in vorherigen Ausgaben des fischerblatts von einer wissenschaftliche Studie der Universität Kiel und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft unter deutschen Küstenfischern gelesen. Im Dezember letzten Jahres haben wir 896 Fischer angeschrieben. Bis Anfang Februar haben 138 Fischer ihre Unterlagen an uns zurückgeschickt. Bei allen teilnehmenden Fischern bedanken wir uns sehr herzlich! Die Teilnahme hat sich auch finanziell gelohnt: Insgesamt haben wir mehr als 7.000€ und somit im Durchschnitt 50€ an jeden teilnehmenden Fischer ausgezahlt. Neun Fischer haben sich durch Ihre Entscheidungen den Maximalbetrag von 100€ verdient. Zusätzlich wurden unter allen Teilnehmern 500€ verlost. Die vollständige Auswertung der Antworten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Erste Ergebnisse sehen  vielversprechend aus und zeichnen ein  differenziertes Bild ökonomischer Aspekte der deutschen Fischerei. Einige dieser ersten Ergebnisse möchten wir Ihnen im Folgenden gerne darstellen.

Bild 1: Der Fischer Schulze (Mitte) aus Waabs hat die 500€ gewonnen, die bei einer Aufgabe der Studie verlost wurden. Prof. Quaas (links) und Doktorand Drupp (rechts) überreichten ihm seine Auszahlung am 29. Februar an der Kieler Förde.

Die teilnehmenden Fischer schon seit ein bis 70 Jahren in der Fischerei tätig. Im  Durchschnitt sind es 31 Jahre. Sie planen die Fischerei noch bis zu 50 Jahre weiter zu betreiben. Hierbei sind sie im Durschnitt 150 Tage im Jahr auf See, ein Fischer sogar 350 Tage. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Fischerei eine sehr traditionsreiche Branche ist und vorerst bleibt: Bei mehr als zwei Dritteln der Fischer (68%) waren bereits die Eltern in der Fischerei tätig. Bei fast einem Viertel der Fischer (24%) sind auch eigene Kinder in der Fischerei tätig. Bild 2 illustriert weitere Informationen, die wir durch den Fragebogen gewonnen haben, im Vergleich der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern (MV), Niedersachsen (N) und Schleswig-Holstein (SH). Beispielweise variiert der Anteil der Fischer, die in Genossenschaften oder Fischereivereinigungen organisiert sind, stark unter den drei Bundesländern (Bild 2, hell-graue Balken): In Schleswig-Holstein beträgt dies 54%, in Mecklenburg-Vorpommern 64%, und in Niedersachsen 78%. Auch interessant und relevant für ein besseres ökonomisches Verständnis der Fischerei ist, welchen Anteil am Gesamteinkommen der Fischer ihr Einkommen aus der Fischerei ausmacht (Bild 2, graue Balken). Wir finden, dass die teilnehmenden Fischer im Schnitt 63% ihres Einkommens aus der Fischerei beziehen. Dieser Anteil variiert von 0 bis 100%, und unterscheidet sich stark zwischen den drei Bundesländern. So gibt es in Schleswig-Holstein mehr nebenberufliche Fischer und insgesamt wird dort nur 46% des Gesamteinkommens der Fischer aus der Fischerei bezogen, wohingegen dies über 95% in Niedersachsen beträgt.

Bild 2: Ausgewählte, beschreibende Daten aus der Befragung der Deutschen Fischer

 

Ebenfalls relevant für die Zukunftsfähigkeit der Fischerei ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in 5 Jahren mehr Fische zu fangen gibt, als heute (Bild 2, schwarze Balken). Eine Prognose hierüber abzugeben ist natürlich nicht einfach. Die Abschätzungen der Fischer zeichnen ein nicht sehr positives Zukunftsbild: In Schleswig-Holstein schätzen die Fischer, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür nur 35% beträgt, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 39%, und bis zu 55% in Niedersachsen. So bewerten die Fischer die Zukunftsfähigkeit der Fischerei in Deutschland unterdurchschnittlich. Auf einer Bewertungsskala von sehr schlecht (1) bis sehr gut (9) geben sie im Durschnitt eine Bewertung von 3.4 im Vergleich zum Skalen-Mittel von 5 ab. In Schleswig-Holstein beträgt die durchschnittliche Bewertung 3.3 in SH, nur eine fast sehr schlechte Bewertung von 2.4 in Mecklenburg-Vorpommern aber eine überdurchschnittliche Note von 5.4 in Niedersachsen.

Neben beschreibenden Daten über die Fischerei, wie diesen, bestand die Studie  aus drei einfachen Aufgaben zu ökonomischen Entscheidungen. Einige von den angeschriebenen Fischern haben sich über die sehr einfach gehaltenen Aufgaben gewundert. Die Aufgaben waren aus wissenschaftlichen Gründen so gestaltet. Erstens wollten wir mit dieser Studie nicht nur die Datenbasis für wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen der Fischerei verbessern, sondern vor allem auch das wirtschaftliche Verhalten von Menschen besser verstehen, die regelmäßig natürliche Gemeinschaftsressourcen nutzen. Weil die Ergebnisse auf viele Fragen der Nachhaltigkeitsforschung und Ökonomie anwendbar sein sollen, waren die Aufgaben entsprechend allgemein gehalten und nicht speziell auf die Fischerei abgestimmt. Zweitens müssen die Aufgaben sehr einfach sein, und im Rahmen dieser Post-Umfrage ohne Nachfragen  beantwortbar zu sein, denn es kommt auf jedes Detail an. Für die Belastbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse ist die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse entscheidend. Das haben wir überprüft, indem wir dieselben Aufgaben ganz anderen Teilnehmern in einer parallelen Studie gestellt haben. An dieser haben 44 Studierende der Universität Kiel teilgenommen.

Mit den drei Aufgaben haben wir verschiedene Entscheidungssituationen simuliert, bei denen Risikobereitschaft, Ehrlichkeit und Wettbewerbsneigung (Kompetivität) eine Rolle spielen.

In der ersten Aufgabe konnten die Fischer Geld gewinnen. Wie viel Geld Sie gewinnen, hing von ihren Entscheidungen für eine von sechs Wahlmöglichkeiten und vom Zufall ab. Konkret beinhalte jede Wahlmöglichkeit zwei unterschiedliche Auszahlungen (von 7€ und 7€ in Wahlmöglichkeit 1 zu 2€ und 16€ in Wahlmöglichkeit 6). Welche Option ausgezahlt wurde, hat die LOTTO-Superzahl-Ziehung am 6. Februar 2016, entschieden, nach Einsendeschluss für die Studie. Die Entscheidung für die eine oder andere Wahlmöglichkeit ist aufschlussreich über die Risikobereitschaft der Teilnehmenden. Vier Fünftel der der Fischer tendieren dazu, sicherere Auszahlungen zu wählen. Ein Fünftel der Fischer sind hingegen risikofreudig. Dies bedeutet, dass sie sich bei gleicher erwarteter Auszahlung für jene Wahlmöglichkeit entschieden haben, die ein größeres Auszahlungsrisiko aber eben auch eine höhere maximale Auszahlung bietet. Im Vergleich zu Studien mit anderen Teilnehmern zeigt sich, dass Fischer eher dazu tendieren, Risiken einzugehen. 

In der zweiten Aufgabe sollten die Fischer eine mitgeschickte 1€-Münze viermal werfen und berichten, wie oft „Zahl“ oben lag. Für jedes Mal, bei dem „Zahl“ oben lag, haben sie 5€ erhalten. Im Durchschnitt würde ein teilnehmender Fischer zwei Mal Zahl und zwei Mal Kopf werfen. Wir konnten aber natürlich die Münzwürfe der einzelnen teilnehmenden Fischer nicht beobachten. Sie konnten also ihre Auszahlung maximieren, indem sie angaben, dass sie vier Mal Zahl geworfen hätten. Das haben die teilnehmenden Fischer in unserer Studie aber nicht getan. Im Durchschnitt berichten sie 2,46 Mal „Zahl“ geworfen zu haben. Wir haben aus den Antworten berechnet, dass zwar nicht alle teilnehmenden Fischer ehrlich über ihre Münzwürfe berichtet haben, aber dass mehr als Dreiviertel der Fischer ehrlich geantwortet haben. Zum Vergleich haben wir auch Studierenden der Universität Kiel diese Aufgaben gestellt. Die Studierenden berichten, im Schnitt 3,14 Mal „Zahl“ geworfen zu haben. Die Studierenden sind weitaus weniger ehrlich als die Fischer – nur weniger als die Hälfte der Studierenden hat ehrlich über die Münzwürfe berichtet.

In Aufgabe 3 haben wir die Fischer gebeten, ein kleines Stück A7-Papier ohne Hilfsmittel, also persönlich und per Hand, in so viele Papierschnipsel zu zerreißen, wie sie können oder möchten. Für jeden Schnipsel, den sie uns zurück geschickt haben, bekamen sie entweder 5 Cent oder 15 Cent. Im zweiten Fall bekamen sie aber nur dann eine Auszahlung, wenn sie mehr Schnipsel produziert hatten als eine zufällig zugeloste andere Person. Wir haben uns dafür interessiert, welche Fischer die zweite, stärker wettbewerbsorientierte Option wählen.  Es zeigt sich, dass das insbesondere die Fischer sind, die ein besonders hohes Einkommen haben, einen besonders hohen Teil ihres Einkommens aus der Fischerei beziehen, oder die sich auch in der Fischerei besonders hohem Wettbewerb ausgesetzt fühlen. Die Anzahl der produzierten Papier-Schnipsel, also der geleistete Arbeitsaufwand, variiert enorm: von 11 bis über 1000 Schnipsel. Im Durschnitt haben die teilnehmenden Fischer 218 Papierschnipsel produziert. Im Vergleich haben die Studierenden mit 445 fast doppelt so viele Schnipsel produziert. Die Schnipsel haben wir sorgfältig auf einem großen Scanner ausgebreitet (Bild 3) und mit Hilfe einer speziellen Computer-Software gezählt.

Bild 3: Prof. Menusch Khadjavi und eine studentische Mitarbeiterin beim Papier-Schnipsel-Zählen.

Insgesamt sind wir über die rege Beteiligung sehr erfreut und finden die ersten Ergebnisse hoch interessant. Insbesondere finden wir, dass die Befunde aus der Münzwurf-Aufgabe doch ein sehr positives Bild der Fischer zeigen: In einer Entscheidungssituation, in der ökonomische Theorien ein sehr unehrliches Verhalten voraussagen, und wir dies für Studierende auch weitgehend beobachten, berichtet der überwiegende Teil der Fischer offenbar ehrlich über ihre Münzwürfe und nimmt hierbei eigene finanzielle Einbußen in Kauf.

Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts „Nachhaltiger Konsum und Bewirtschaftung von Meeresfischbeständen“, in dem wir ökonomische Aspekte nachhaltiger Fischerei untersuchen. Wenn Sie Fragen oder Kommentare zu unserer Studie haben, teilen Sie diese uns sehr gerne mit – am einfachsten per E-Mail an drupp@economics.uni-kiel.de.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Martin Quaas, Moritz Drupp und Prof. Dr. Menusch Khadjavi

Institut für Volkswirtschaftslehre, Universität Kiel, Wilhelm-Seelig-Platz 1, 24118 Kiel

Quaas@economics.uni-kiel.de, Tel. 0431 880 3616